„Bedingungsloses Grundeinkommen? Da profitieren dann doch diese ewigen Schmarotzer!“

Aber hat denn niemand gefragt, was zwischen dem Zeitpunkt, als der Schmarotzer diese Welt betrat, ein Kind war, das neugierig und wissensdurstig war und gar nicht genug vom Leben bekommen konnte und dem heutigen Zeitpunkt passiert ist?

„Bedingungsloses Grundeinkommen? Da profitieren dann doch diese ewigen Schmarotzer!“

So oder so ähnlich äußern sich gern und immer wieder die Gegner des Bedingungslosen Grundeinkommens.

Ich habe mir heute durch den Kopf gehen lassen, was denn Schmarotzer überhaupt sind.

Spektrum.de weiß da mehr:

Schmarotzerpflanzen, Pflanzen, die ihre Nährstoffe ganz (Holoparasiten) oder teilweise (Hemiparasiten) aus Wirtsorganismen beziehen. Die meisten Schmarotzerpflanzen sind Ektoparasiten, wobei sie in der Regel mittels Haustorien in die Wirtspflanzen eindringen. Es treten auch einige Endoparasiten auf, z.B. Vertreter der Familie Rafflesiaceae. Schmarotzerpflanzen finden sich unter Pilzen […], Flechten und Bedecktsamern.Parasitismus I .

Aha, in der Natur kommt’s vor und wie wir wissen, baut die Natur keinen Murks. Die Wirtspflanzen dienen als solche einfach, weil sie es können. Es gibt Bäume, die über und über voll mit Misteln sind. (Ja,  ich weiß, dass die Misteln immerhin selber Photosynthese machen. Aber trotzdem hauen sie ihre Würzelchen in des Baumes Rinde.) Und die haben mit ihrem Leben trotzdem keine Probleme.

Die menschlichen Schmarotzer sind keine Pflanzen. Ich denke, mit dem Begriff ist der Prototyp des Menschen gemeint, der den ganzen Tag vor der Glotze sitzt und sich kaum bewegt. Dabei hauen sie ihre Würzelchen in den Staat und dieses ach so zarte Wirtspflänzchen droht unter der Last schier zusammen zu brechen.

Aber hat denn niemand gefragt, was zwischen dem Zeitpunkt, als der Schmarotzer diese Welt betrat, ein Kind war, das neugierig und wissensdurstig war und gar nicht genug vom Leben bekommen konnte und dem heutigen Zeitpunkt – Interessenlosigkeit und keine Energie – passiert ist? Kein Tier außer dem Menschen hat Burn out, Depression oder Suizidgedanken. Da muss was schief gelaufen sein. Kann man es da dem Schmarotzer selber in die Schuhe schieben, dass er ja nur faul ist, wenn er doch am Ende einer langen Kette aus unerfüllten Bedürfnissen und Überforderung steht? Ich sage: nein, das hat keinen Sinn. Außer den, sich nicht damit beschäftigen zu müssen, was mit unserem asozialen Nachbarn ist. Der sitzt den ganzen Tag nur drin. Und die Frau Schmidt sagt, seine Saufkumpel bringen ihm immer Bier. Unerhört. Frau Schmidt hat 45 Jahre gearbeitet und hat jetzt Brustkrebs. Das findet sie ungerecht, dass sie das trifft. Schließlich war sie doch so brav und hat gemacht, was man(n) von ihr verlangte. Komisch. Aber der Schmarotzer, der hat’s gut! Lebt gemütlich vom Staat und macht sich einen lustigen Lenz.

Tut er das? Wie lustig ist sein Lenz? Frau Schmidt und er können sich getrost die Hand reichen: mit den Folgen von Überforderung haben sie beide zu kämpfen. Nur sehen sie nicht, wie verwandt sie damit sind. Klar, das eigene Leid stellt man ja gern über das der anderen. Es wurde einfach zu lange übersehen.

Und dann gibt es noch diese zweite Sorte Schmarotzer, die die so unverschämt sind und gleich im Voraus sagen: „Ich kann keine 40 Stunden in der Woche arbeiten.“ Zu denen gehöre ich. Das Grundeinkommen würde mir viele Sorgen ersparen. Den Spagat zwischen dem Finden einer Nische, wo ich arbeiten kann, aber zu meinen Konditionen und dem Aushalten, dass Hinz und Kunz sagen, ich solle doch eine Vollzeitstelle suchen. Das würde ich allenfalls 3 Monate durchhalten. Und dann läge ich dem Staat mit dem Krankengeld, das ich dann wegen ausgedehntem Burn out bräuchte, auf der Tasche. 

Leute wie unsere fiktive Frau Schmidt allerdings tun das ja dann auch. 45 Jahre arbeiten, schön und gut. Aber jetzt sind Krankenhaus-Aufenthalte und teure Chemos dran. Vielleicht allerdings hat Vater Staat ja auch Glück und sie stirbt möglichst schnell. An den Folgen eines Lebens in braver Unterwerfung. Prost Mahlzeit.

Eine Antwort auf „„Bedingungsloses Grundeinkommen? Da profitieren dann doch diese ewigen Schmarotzer!“

  1. Sehr guter Beitrag, der es auf den Punkt bringt. Menschen die nicht mehr mithalten wollen und können in diesem System werden als minderwertiges Abfallprodukt abgestempelt. Kein Mensch kommt mit der Intension auf die Welt desillusioniert „auf Pump“ auf der Couch sein Leben abzusitzen (Schmarotzer Kategorie 1). Ich gehöre zur Kategorie 2. Hab 2 Jahre gebraucht um mich einigermaßen selber aus dem Loch zu ziehen und versuche nun irgendwie Raum zu schaffen für meine wirkliche Aufgabe hier auf der Welt. Weil ich mit dem was mich ausmacht noch nicht meinen Lebensunterhalt verdienen kann, wird es von vielen nicht als Arbeit angesehen. Das ist ein extremer Druck der auf einen lastet…

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